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Unsinnige Eichfristen in Deutschland

Wir bauen seit Jahren keine Wasserzähler im Wohnungsbestand mehr ein, weil wir zu der Erkenntnis gekommen sind, dass die damit verbundenen Kosten in keinem Verhältnis zur möglichen Einsparung stehen. Gerechtigkeitsüberlegungen spielten bei dieser Entscheidung keine Rolle. Vielmehr ist die Entscheidung einzig und allein dem Grundsatz der Wirtschaftlichkeit geschuldet.

Eichfristen für Wasserzähler in der Kritik

In Deutschland zu kurze Fristen für die Eichgültigkeit von Wasserzählern

Unsere Erkenntnisse werden jetzt (indirekt) durch ein Gutachten des Hambug Instituts vom 08.05.2017 bestätigt1, das im Auftrag der führenden wohnungswirtschaftlichen Verbände erstellt wurde.

Die wesentlichen Ergebnisse der Untersuchung sind:

  • In Deutschland werden Wasserzähler bereits nach wenigen Jahren ausgetauscht, obwohl diese in aller Regel noch messen. Das ist den eichrechtlichen Vorschriften geschuldet.
  • Nach überschlägiger, konservativer Schätzung dürfte es in Deutschland rd. 62 Mio. Wasserzähler geben.
  • Kaltwasserzähler müssen in Deutschland nach sechs Jahren, Warmwasserzähler nach fünf Jahren ausgetauscht werden. Das führt dazu, dass in der Regel bereits nach fünf Jahren alle Zähler getauscht werden.
  • Die Analyse des Stichprobenverfahrens hat ergeben, dass die gängigen Wasserzähler auch nach zwanzig Jahren Betrieb zu rund 95 % noch Messergebnisse innerhalb der eichrechtlich zulässigen Fehlergrenzen liefern.
  • Durch den unnötigen Austausch funktionsfähiger Wasserzähler entstehen Kosten in Höhe von ca. 120 Euro pro Wechselturnus (dabei sind natürlich die Kosten für die Ablesung und Abrechnung dieser Zähler noch nicht berücksichtigt).
  • Im internationalen Vergleich sind die deutschen eichrechtlichen Vorschriften sehr streng: In einigen europäischen Ländern gibt es keine Eichfristen für Wasserzähler, in anderen haben die Fristen eine Länge von über 15 Jahren. In Nordamerika gelten 17 Jahre, in Frankfreich 19 und in Spanien/Portugal 23 Jahre.
  • Überschlägig ergeben sich für die Haushalte durch den Austausch der Wasserzähler in Summe Kosten in Höhe von knapp einer Milliarde Euro jährlich. Die Verlängerung der Eichfrist auf das Niveau von Frankreich würde jährlich deutlich über 500 Mio. Euro einsparen.
  • Bei einer Verlängerung oder Aufhebung der Eichfristen ist ein Anstieg des Wasserverbrauchs nicht zu befürchten.
  • Die Gutachter empfehlen, die Eichfristen - je nach eingesetzter Gerätetechnik auf 15 - 20 Jahre zu verlängern.

Wir meinen, dass der vollständige Verzicht auf Eichfristen angestrebt werden sollte (wenn schon, dann richtig!). Mietrechtlich sind Vermieter im Interesse belastbarer Betriebskostenabrechnungen ohnehin in der Pflicht, Wasserzähler auszutauschen, sobald sie unplausible Messergebnisse liefern.

Man darf gespannt sein, ob sich der Gesetzgeber angesichts der klaren Sachlage bewegen wird oder ob auch künftig, die Mimik, die zur Einsparung von Wasser führen soll, mehr Geld kostet, als die Einsparung erbringt.

1) Hamburg Insitut, Wasser sinnvoll zählen - und weniger zahlen., Gutachten vom 08.05.2017, Projektleitung RA Christian Maß